15.11.2024 9 Min.

Bungalow-Flachdach aus den 60er/70er Jahren: Sanierung richtig planen

Der Bungalow: Wohntraum mit Sanierungsbedarf

In den 1960er- und 1970er-Jahren erlebte der eingeschossige Bungalow mit Flachdach seine Blütezeit. In Oberasbach, Stein, Fürth-Ronhof und vielen Siedlungen rund um Nürnberg prägen diese Gebäude bis heute das Straßenbild. Sie stehen für eine Architektur, die Offenheit und modernes Wohnen versprach – und in vielen Fällen immer noch ein hervorragendes Wohnkonzept bietet. Allerdings: Das Flachdach dieser Bungalows hat nach über 50 Jahren seine Grenzen erreicht. In diesem Ratgeber erfahren Sie, wie die Dächer dieser Ära gebaut wurden, welche Probleme sich nach einem halben Jahrhundert zeigen und wie eine fachgerechte Sanierung aussieht.

So wurden Bungalow-Flachdächer damals gebaut

Um zu verstehen, warum diese Dächer heute Probleme machen, muss man die Bauweise der damaligen Zeit kennen:

Minimale Dämmung

In den 1960er- und 1970er-Jahren gab es keine Energieeinsparverordnung, kein GEG (Gebäudeenergiegesetz) und kaum ein Bewusstsein für Wärmedämmung. Die Dämmschicht – wenn überhaupt vorhanden – bestand aus wenigen Zentimetern Korkplatten, Holzwolle-Leichtbauplatten oder geschäumtem Polystyrol in minimaler Stärke. U-Werte von 1,0 bis 2,0 W/m²K waren völlig normal. Zum Vergleich: Heutige Anforderungen verlangen Werte um 0,20 W/m²K.

Einlagige Bitumenabdichtung

Während heute zweilagige Abdichtungen mit hochwertigen Polymerbitumenbahnen Standard sind, wurden damals häufig einlagige Bitumenbahnen auf Rohfilzbasis verlegt. Diese einfache Abdichtung war bereits bei der Verlegung weniger belastbar und ist nach Jahrzehnten der UV-Strahlung, Temperaturschwankungen und mechanischer Beanspruchung vollständig verbraucht.

Fehlende oder unzureichende Dampfsperre

Die Dampfsperre (heute korrekt: Dampfbremse) verhindert, dass warme, feuchte Raumluft in den Dachaufbau eindringt und dort kondensiert. Viele Bungalow-Flachdächer aus dieser Zeit haben keine Dampfsperre – oder bestenfalls eine dünne PE-Folie, die über die Jahrzehnte brüchig geworden ist. Die Folge: Feuchtigkeit im Dachaufbau, durchnässte Dämmung, Schimmelbildung.

Problematische Dachaufbauten

Typisch für die Ära: Der Bungalow hat eine Betondecke als tragendes Element, darauf folgt (vielleicht) eine dünne Dämmschicht, darauf direkt die Bitumenbahn. Gefälle? Oft nur minimal oder gar nicht vorhanden. Das Wasser stand auf diesen Dächern – buchstäblich.

Asbest-Problematik

Bei einigen Bungalows aus den 1960er-Jahren können asbesthaltige Materialien verbaut worden sein – etwa in Fassadenplatten, Dachrandverkleidungen oder als Unterdeckplatten. Falls Asbest-Verdacht besteht, muss vor jeder Sanierung eine Schadstoffuntersuchung durchgeführt und gegebenenfalls ein zertifizierter Fachbetrieb für die Entsorgung hinzugezogen werden.

Was nach 50+ Jahren typischerweise kaputt ist

Wenn ich ein Bungalow-Flachdach in Oberasbach oder Stein zum ersten Mal begutachte, zeigt sich meist ein ähnliches Bild:

Die Abdichtung ist am Ende – Risse, offene Nähte, aufgeblähte Blasen und stellenweise komplett gelöste Bahnen. Die Bitumenbahnen haben ihre Elastizität verloren und brechen bei Kälte.

Die Dämmung ist durchnässt – Über Jahrzehnte ist Feuchtigkeit in den Dachaufbau eingedrungen. Die Dämmung (sofern vorhanden) hat ihre Wirkung verloren und ist zu einem nassen Schwamm geworden. In manchen Fällen hat sich Schimmel im Dachaufbau ausgebreitet.

Anschlüsse sind undicht – Die Übergänge zu Wänden, Dachrändern, Lichtkuppeln und Durchdringungen sind nach 50 Jahren die offensichtlichsten Schwachstellen. Alte Blechanschlüsse sind korrodiert, Dichtmassen ausgehärtet und rissig.

Entwässerung funktioniert nicht mehr – Alte Dachgullys (Dachabläufe) sind korrodiert, Anschlusshöhen stimmen nicht mehr, das ohnehin geringe Gefälle ist durch Setzungen weiter reduziert.

Dachrandabschlüsse sind verrottet – Holzverkleidungen an den Dachrändern sind durchgefeuchtet und faul. Blechabdeckungen sind lose oder fehlen teilweise.

Die Komplettsanierung: Schicht für Schicht

Eine seriöse Sanierung eines Bungalow-Flachdachs aus dieser Ära ist keine Flickarbeit. Wer nur eine neue Lage Bitumen über den alten Aufbau klebt, verschiebt das Problem um wenige Jahre. Die fachgerechte Lösung umfasst:

1. Rückbau der alten Schichten

Die alte Abdichtung und die durchnässte Dämmung werden komplett entfernt. Nur so lässt sich der Zustand der tragenden Decke beurteilen und ein sauberer Neuaufbau realisieren. Bei Bungalows in Fürth-Süd oder den Siedlungen in Zirndorf-West treffe ich dabei regelmäßig auf die beschriebenen Altlasten: nasse Mineralwolle, brüchige Folien und korrodierte Einbauteile.

2. Tragwerk prüfen

Die Betondecke wird auf Schäden, Risse und ausreichende Tragfähigkeit geprüft. In den meisten Fällen ist die Betondecke eines Bungalows solide – die Probleme liegen darüber.

3. Neue Dampfbremse

Eine hochwertige Dampfbremse wird vollflächig auf die gereinigte Decke aufgebracht und an allen Anschlüssen luftdicht verklebt. Dieser Schritt wird bei Laien oft unterschätzt, ist aber fundamental für die Langlebigkeit des gesamten Dachaufbaus.

4. Gefälledämmung

Moderne Gefälledämmplatten aus EPS oder PIR lösen gleich zwei Probleme: Sie bringen die Dämmstärke auf das Niveau der aktuellen Anforderungen und erzeugen gleichzeitig das nötige Gefälle zur Entwässerung. Mindestens 2 Prozent Gefälle zum Ablauf sind die Zielvorgabe.

Die Dämmstärke richtet sich nach den Anforderungen des GEG (Gebäudeenergiegesetz). Bei einer Sanierung der gesamten Dachfläche greift in der Regel die Pflicht, einen U-Wert von maximal 0,20 W/m²K zu erreichen. Das bedeutet je nach Dämmmaterial eine Schichtdicke von 14 bis 22 Zentimetern – ein gewaltiger Unterschied zu den 2 bis 4 Zentimetern der Ursprungskonstruktion.

Mehr dazu auf unserer Seite zur energetischen Sanierung.

5. Neue Abdichtung

Auf die Dämmung kommt die neue Abdichtung. Für die Fläche eines Bungalow-Flachdachs (typisch: 80 bis 150 Quadratmeter) ist eine zweilagige Bitumen-Abdichtung von Bauder in den meisten Fällen die wirtschaftlich sinnvollste Lösung. Die Bahnen werden vollflächig verklebt und verschweißt.

An kritischen Details – Wandanschlüsse, Dachrandaufkantungen, Rohrdurchführungen, Lichtkuppeln – kommt Triflex-Flüssigkunststoff zum Einsatz. Die nahtlose PMMA-Abdichtung passt sich jeder Geometrie an und bildet dauerhafte, belastbare Anschlüsse.

6. Neue Dachrandabschlüsse

Die alten Holz-Blechkonstruktionen am Dachrand werden durch moderne Mauerabdeckungen und Dachrandabschlüsse aus Aluminium oder Edelstahl ersetzt. Sauber gekantet, fachgerecht befestigt und in die Abdichtung integriert.

7. Entwässerung erneuern

Neue Dachgullys mit Anstauelementen und Notentwässerung werden eingebaut. Die Entwässerungsleitungen werden geprüft und gegebenenfalls erneuert.

GEG-Anforderungen: Was das Gesetz verlangt

Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) stellt klare Anforderungen an die Sanierung von Flachdächern. Wenn mehr als 10 Prozent der Dachfläche erneuert werden, muss der gesamte Dachaufbau die geltenden Mindestanforderungen erfüllen. Für Flachdächer bedeutet das:

  • U-Wert maximal 0,20 W/m²K – Das erfordert je nach Dämmmaterial 14 bis 22 cm Dämmstärke.
  • Sommerlicher Wärmeschutz – Gerade bei Bungalows ein Thema, da die gesamte Wohnfläche unter dem Flachdach liegt.

Die gute Nachricht: Durch die erheblich verbesserte Dämmung sinken die Heizkosten spürbar. Viele Bungalow-Besitzer in Oberasbach und Stein berichten nach der Sanierung von Einsparungen zwischen 20 und 40 Prozent bei den Heizkosten – je nach vorherigem Zustand sogar mehr.

Für bestimmte energetische Maßnahmen stehen Fördermittel der KfW und des BAFA zur Verfügung. Die Beratung durch einen Energieberater lohnt sich in den meisten Fällen, besonders wenn die Flachdachsanierung mit weiteren energetischen Maßnahmen (Fassade, Fenster) kombiniert wird.

Lokaler Bezug: Bungalow-Siedlungen in unserer Region

In meinem Einsatzgebiet kenne ich die Bungalow-Bestände gut:

Oberasbach – In den Wohngebieten südlich der Rothenburger Straße und im Bereich Altenberg stehen zahlreiche Bungalows aus den späten 1960er-Jahren. Typisch: Betonflachdach, minimale Dämmung, einlagige Bitumenabdichtung. Viele dieser Dächer wurden seit dem Erstbezug nicht grundlegend saniert.

Stein bei Nürnberg – Die Siedlungen rund um Deutenbach und Unterweihersbuch beherbergen eine hohe Dichte an Flachdach-Bungalows aus den 1970er-Jahren. Hier finden sich häufig die etwas moderneren Varianten mit Kiesschüttung auf der Abdichtung.

Fürth – Im Süden von Fürth, besonders in den Bereichen Ronhof und Unterfarrnbach, gibt es Bungalow-Straßenzüge, in denen bereits mehrere Nachbarn ihre Dächer haben sanieren lassen. Hier zeigt sich: Wenn der erste in der Straße anfängt, folgen bald weitere – weil die Bausubstanz und die Probleme identisch sind.

Zirndorf – In den westlichen Wohngebieten stehen Bungalows der gehobenen Klasse aus den frühen 1970er-Jahren. Größere Grundrisse, oft mit angebautem Carport oder Garage – ebenfalls mit Flachdach und denselben Sanierungsthemen.

Kosten: womit Sie rechnen müssen

Pauschale Quadratmeterpreise für eine Bungalow-Flachdachsanierung sind nicht seriös. Zu viele Faktoren beeinflussen den Preis: Zustand des Altdachs, Entsorgungsaufwand, benötigte Dämmstärke, Komplexität der Anschlüsse, Zugänglichkeit.

Was ich Ihnen sagen kann: Eine fachgerechte Komplettsanierung – vom Rückbau bis zur fertigen neuen Abdichtung – ist eine Investition, die den Wert Ihrer Immobilie erhält und Ihre Energiekosten dauerhaft senkt. Die Alternative – Flickschusterei auf dem alten Aufbau – ist nur scheinbar günstiger und führt erfahrungsgemäß nach wenigen Jahren zum nächsten Schaden.

Mehr zum Thema Kosten erfahren Sie auf unserer Seite zur Flachdachsanierung.

Häufige Fragen zur Bungalow-Sanierung

Kann man das alte Dach einfach überkleben? Technisch ist das möglich, aber in den seltensten Fällen sinnvoll. Wenn die Dämmung durchnässt ist und keine Dampfbremse vorhanden ist, verlagert eine Aufdopplung das Problem nur. Die Feuchtigkeit bleibt im Aufbau und richtet weiter Schaden an.

Wie lange dauert die Sanierung? Für ein typisches Bungalow-Flachdach (80 bis 120 Quadratmeter) rechnen wir mit etwa ein bis zwei Wochen Bauzeit, abhängig von Witterung und Komplexität.

Können wir während der Sanierung im Haus wohnen bleiben? In der Regel ja. Die Arbeiten finden auf dem Dach statt. Allerdings gibt es während der offenen Phase (wenn die alte Abdichtung entfernt ist und die neue noch nicht komplett verlegt) ein Witterungsrisiko, das durch Abdeckmaßnahmen minimiert wird.

Brauche ich eine Baugenehmigung? Eine reine Dachsanierung ohne Änderung der Gebäudehöhe oder -form ist in Bayern in der Regel genehmigungsfrei. Wird allerdings eine Aufstockung oder eine wesentliche Nutzungsänderung geplant, ist eine Bauvoranfrage sinnvoll.

Kann ich die Sanierung mit einer Balkon- oder Terrassenabdichtung kombinieren? Absolut – und das ist sogar empfehlenswert. Viele Bungalows haben angeschlossene Terrassen, die ebenfalls sanierungsbedürftig sind. Die Kombination spart Baustelleneinrichtung, Anfahrten und oft auch Material.

Fazit: Kein Flickwerk, sondern Werterhalt

Ein Bungalow-Flachdach aus den 1960er- oder 1970er-Jahren verdient eine grundlegende Sanierung – nicht eine weitere Schicht über den alten Problemen. Wer jetzt in einen fachgerechten Neuaufbau investiert, schützt sein Eigentum für die nächsten 30 bis 40 Jahre und profitiert von erheblich niedrigeren Heizkosten. Die Bungalows dieser Ära sind architektonisch wertvolle Gebäude mit Potenzial. Ein neues Dach gibt ihnen die Substanz zurück, die sie verdienen.


Ihr Bungalow-Flachdach braucht eine Sanierung? Ich komme zu Ihnen nach Oberasbach, Stein, Fürth, Zirndorf oder in die gesamte Region – für eine ehrliche Bestandsaufnahme und ein transparentes Angebot.

Björn von der Weth – Dachdeckermeister Telefon: 0157 72538492

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