Mehr als nur ein grüner Trend
Dachbegrünungen auf Flachdächern sind in den letzten Jahren zum Dauerthema geworden – und das nicht ohne Grund. Ein begrüntes Flachdach verbessert das Mikroklima, hält Regenwasser zurück, dämpft Temperaturschwankungen und verlängert die Lebensdauer der darunterliegenden Abdichtung erheblich. In vielen Kommunen gibt es mittlerweile Förderungen oder sogar Vorgaben für Gründächer.
Aber: Nicht jedes Flachdach kann einfach begrünt werden. Die Voraussetzungen müssen stimmen – und genau hier wird es in der Praxis oft problematisch. Als Dachdeckermeister in der Region Zirndorf und Fürth sehe ich regelmäßig Projekte, bei denen die Begrünung auf einer unzureichenden Grundlage aufgebaut wurde. Die Folgen: Wasserschäden, Pflanzensterben, statische Probleme.
In diesem Artikel erkläre ich Ihnen, was Ihr Dach wirklich können muss, bevor Sie es begrünen.
Extensiv oder intensiv: Die grundlegende Entscheidung
Bevor es um Statik und Abdichtung geht, müssen Sie eine Grundsatzentscheidung treffen:
Extensive Begrünung
- Aufbauhöhe: 6–15 cm Substrat
- Gewicht (wassergesättigt): 80–170 kg/m²
- Pflanzenwahl: Sedum-Arten, Moose, Kräuter, niedrige Gräser
- Pflege: Minimal – ein bis zwei Wartungsgänge pro Jahr
- Nutzung: Nicht begehbar (nur zur Wartung)
- Kosten: Deutlich geringer als intensiv
Die extensive Begrünung ist die Standardlösung für die meisten Wohnhäuser, Garagen und Gewerbebauten. Sie ist leicht, pflegarm und stellt die geringsten Anforderungen an die Tragkonstruktion.
Intensive Begrünung
- Aufbauhöhe: 25–100+ cm Substrat
- Gewicht (wassergesättigt): 300–1.200 kg/m²
- Pflanzenwahl: Stauden, Sträucher, Rasen, sogar Bäume
- Pflege: Regelmäßig – wie ein normaler Garten (Bewässerung, Düngung, Schnitt)
- Nutzung: Begehbar, als Dachterrasse oder Dachgarten nutzbar
- Kosten: Erheblich höher, inkl. Bewässerungssystem
Intensive Begrünungen sind de facto Dachgärten. Sie erfordern eine von Anfang an darauf ausgelegte Tragkonstruktion und kommen bei Bestandsgebäuden selten infrage – es sei denn, ein Statiker bestätigt die Tragfähigkeit.
Voraussetzung 1: Tragfähigkeit und Statik
Die wichtigste Frage bei jeder Dachbegrünung lautet: Hält das Dach das Gewicht aus?
Was wiegt eine Begrünung?
Entscheidend ist nicht das Trockengewicht, sondern das Gewicht im wassergesättigten Zustand – also nach einem anhaltenden Regenguss, wenn das Substrat maximal vollgesogen ist:
- Extensive Begrünung (10 cm Aufbau): ca. 120–150 kg/m²
- Intensive Begrünung (30 cm Aufbau): ca. 400–500 kg/m²
Zum Vergleich: Eine Kiesschüttung von 5 cm wiegt etwa 80–100 kg/m². Eine extensive Begrünung ist also nur geringfügig schwerer als die ohnehin übliche Kiesauflage – aber eben nicht vernachlässigbar.
Statische Prüfung ist Pflicht
Bevor Sie ein bestehendes Flachdach begrünen, muss ein Statiker die Tragfähigkeit prüfen. Das gilt auch für extensive Begrünungen. Die Tragkonstruktion muss das Eigengewicht des Gründachaufbaus plus die Schneelast plus eine Verkehrslast (für Wartungsarbeiten) aufnehmen können.
Bei Betonflachdächern aus der Nachkriegszeit ist die Tragfähigkeit meist gegeben. Bei Holzkonstruktionen, Leichtbauhallen oder älteren Garagen mit dünnen Betondecken kann es knapp werden. Hier gibt es keine Daumenregeln – nur die statische Berechnung bringt Klarheit.
Mein Rat: Lassen Sie die Statik immer prüfen, bevor Sie planen. Die Kosten für ein statisches Gutachten sind überschaubar und bewahren Sie vor teuren Überraschungen.
Voraussetzung 2: Wurzelfeste Abdichtung
Eine Dachbegrünung ohne wurzelfeste Abdichtung darunter ist ein Zeitbombe. Pflanzenwurzeln sind erstaunlich kraftvoll – Sedum-Wurzeln durchdringen im Laufe der Jahre selbst robuste Materialien, wenn diese nicht explizit wurzelfest sind.
Was muss die Abdichtung leisten?
- Wurzelfestigkeit nach FLL-Richtlinie – Die Abdichtung muss nach dem Prüfverfahren der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau (FLL) als wurzelfest zertifiziert sein.
- Vollflächige Verklebung – Die Abdichtung muss am Untergrund haften, damit sich unter der Begrünung keine Hohlräume bilden, in denen sich Wasser sammelt.
- Mechanische Belastbarkeit – Das Gewicht des Aufbaus und die Drainageprozesse beanspruchen die Abdichtung dauerhaft.
Vorhandene Abdichtung: Reicht sie aus?
Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Die Antwort lautet: meistens nicht.
Ältere Bitumenabdichtungen sind in der Regel nicht wurzelfest. Selbst wenn die Abdichtung noch dicht ist, fehlt die Wurzelschutzschicht. Hier gibt es zwei Lösungen:
- Neue wurzelfeste Abdichtung – Die sicherste Variante. Eine professionelle Flachdach-Sanierung mit wurzelfestem Material bildet die optimale Grundlage.
- Separate Wurzelschutzbahn – Über die bestehende intakte Abdichtung wird eine zusätzliche Wurzelschutzfolie verlegt. Günstiger, aber nur sinnvoll, wenn die bestehende Abdichtung einwandfrei ist.
Ich empfehle grundsätzlich die erste Variante, wenn die Abdichtung älter als 15 Jahre ist. Die Begrünung soll Jahrzehnte halten – da sollte die Basis stimmen.
Voraussetzung 3: Entwässerung und Gefälle
Auch ein begrüntes Dach muss Regenwasser ableiten können. Das klingt selbstverständlich, wird aber erstaunlich oft vernachlässigt.
Mindestgefälle
Die FLL-Richtlinie empfiehlt ein Mindestgefälle von 2 % (ca. 2 cm pro Meter) auch bei begrünten Dächern. Ein Gefälle unter 2 % ist bei extensiver Begrünung möglich, erfordert aber einen angepassten Aufbau mit leistungsfähigerer Drainage.
Dachgullys und Abläufe
Sämtliche Entwässerungspunkte müssen auch nach der Begrünung zugänglich und funktionsfähig bleiben. Das bedeutet:
- Kontrollschächte über jedem Ablauf, damit Laub und Substrat den Gully nicht verstopfen
- Kiesstreifen (mindestens 30 cm breit) entlang der Dachränder und um Durchdringungen – diese halten Pflanzenwuchs von empfindlichen Anschlüssen fern
- Notüberläufe müssen frei bleiben und dürfen nicht mit Substrat bedeckt werden
Drainageschicht im Aufbau
Zwischen Abdichtung und Substrat liegt die Drainageschicht – ein essenzieller Bestandteil des Gründachaufbaus. Sie sorgt dafür, dass überschüssiges Wasser zur Entwässerung abfließen kann und sich keine Staunässe unter den Pflanzen bildet. Übliche Materialien sind Noppenfolien, Drainageplatten aus Polystyrol oder mineralische Schüttungen.
Der Schichtenaufbau im Detail
Ein fachgerechter extensiver Gründachaufbau besteht von unten nach oben aus:
- Tragkonstruktion – Beton, Holz oder Stahl
- Dampfsperre – Verhindert, dass Feuchtigkeit aus dem Gebäudeinneren in die Konstruktion diffundiert
- Wärmedämmung – Falls energetisch erforderlich (bei beheizten Räumen darunter)
- Abdichtung – Wurzelfest, vollflächig verklebt
- Schutzlage – Schützt die Abdichtung vor mechanischer Beschädigung durch die darüberliegenden Schichten
- Drainageschicht – Leitet überschüssiges Wasser ab
- Filtervlies – Verhindert, dass Substrat in die Drainage eingeschwemmt wird
- Substratschicht – Spezielles Gründachsubstrat (nicht Gartenerde!) mit definierter Körnung und Wasserspeicherfähigkeit
- Vegetation – Vorkultivierte Sedummatten, Sprossenaussaat oder Flachballenpflanzung
Jede Schicht hat eine spezifische Funktion. Fehlt eine, funktioniert das System nicht dauerhaft.
Pflege und Wartung: Weniger als ein Garten, mehr als nichts
Extensive Begrünungen sind pflegeleicht, aber nicht pflegefrei. Die FLL-Richtlinie empfiehlt:
- Ein bis zwei Pflegegänge pro Jahr – im Frühjahr und Herbst
- Unerwünschten Aufwuchs entfernen – Baumkeimlinge, die sich aussäen, durchdringen mit der Zeit die Abdichtung
- Abläufe und Kontrollschächte prüfen – Laub und Substrat können die Entwässerung blockieren
- Substrat nachfüllen – Bei extensiver Begrünung kann Wind und Regen im Laufe der Jahre Substrat abtragen
- Düngung – Einmal jährlich mit Langzeitdünger (speziell für Extensivbegrünung)
Diese Wartungsarbeiten lassen sich hervorragend mit einer regulären Flachdach-Inspektion kombinieren.
Förderungen und rechtliche Aspekte
Viele Kommunen in Mittelfranken fördern Dachbegrünungen finanziell oder schreiben sie bei Neubauten vor. Informieren Sie sich bei Ihrer Gemeinde über:
- Direktzuschüsse für Gründachmaßnahmen
- Reduzierte Abwassergebühren – Ein begrüntes Dach hält Regenwasser zurück und entlastet die Kanalisation. Viele Kommunen honorieren das mit geringeren Niederschlagswassergebühren.
- Bebauungsplan-Vorgaben – In manchen Neubaugebieten ist Dachbegrünung bereits Pflicht.
Die Einsparung bei den Abwassergebühren allein kann über die Jahre einen erheblichen Teil der Investitionskosten amortisieren.
Was kostet eine Dachbegrünung?
Auch hier sind pauschale Angaben mit Vorsicht zu genießen. Anhaltswerte für eine extensive Begrünung auf einem bestehenden Flachdach:
- Gründachaufbau (ohne Abdichtung): ca. 40–80 €/m²
- Neue wurzelfeste Abdichtung: ca. 80–130 €/m² (je nach System)
- Statische Prüfung: ca. 500–1.500 € (einmalig)
- Gesamt bei Bestandsdach mit neuer Abdichtung: ca. 150–250 €/m²
Bei einer Garagenfläche von 30 m² sprechen wir also von einer Gesamtinvestition zwischen 4.500 und 7.500 Euro inklusive neuer Abdichtung – eine Investition, die sich durch verlängerte Lebensdauer der Abdichtung, Energieeinsparung und reduzierte Abwassergebühren langfristig rechnet.
Fazit: Begrünung ja – aber auf solider Grundlage
Eine Flachdach-Begrünung ist eine sinnvolle Aufwertung Ihres Gebäudes, wenn die Voraussetzungen stimmen. Tragfähigkeit, wurzelfeste Abdichtung und funktionierende Entwässerung sind die drei Grundpfeiler. Ohne diese Basis wird aus dem Gründach schnell ein Problemfall.
Mein Ansatz: Erst das Dach in einen einwandfreien Zustand bringen, dann begrünen. Die Abdichtung unter einer Begrünung muss besonders zuverlässig sein, denn nachträgliche Reparaturen sind aufwendig und teuer, wenn erst die gesamte Begrünung abgetragen werden muss.
Sie interessieren sich für eine Dachbegrünung oder möchten wissen, ob Ihr Flachdach dafür geeignet ist? Rufen Sie mich an unter 0157 72538492 – ich schaue mir Ihr Dach an und sage Ihnen ehrlich, was möglich ist und was nicht.