Dachabläufe: Klein, aber entscheidend
Der Dachgully ist vermutlich das am meisten unterschätzte Bauteil eines Flachdachs. Er hat eine einzige Aufgabe: Regenwasser sicher von der Dachfläche ableiten. Versagt er, staut sich Wasser auf dem Dach – und das ist der Beginn einer Schadensspirale, die von beschleunigter Materialermüdung über Undichtigkeiten bis hin zu statischen Problemen reichen kann.
In meiner Arbeit als Dachdeckermeister in der Region Zirndorf, Fürth und Nürnberg erlebe ich regelmäßig, dass verstopfte oder defekte Dachabläufe die eigentliche Ursache für vermeintlich „undichte” Dächer sind. Die gute Nachricht: Regelmäßige Wartung der Dachabläufe ist einfach, kostengünstig und verhindert teure Folgeschäden zuverlässig.
Welche Arten von Dachabläufen gibt es?
Dachgully (innenliegender Ablauf)
Der Dachgully ist ein in die Dachfläche eingebauter Ablauf, der das Wasser über eine Fallleitung ins Gebäudeinnere und von dort in die Kanalisation führt. Er besteht aus einem Flanschring (in die Abdichtung eingebunden), einem Ablaufkörper und einem Laubfangkorb.
Einsatz: Standard bei größeren Flachdächern, insbesondere bei Wohngebäuden und Gewerbebauten.
Speier (seitlicher Ablauf)
Ein Speier leitet das Wasser durch die Attika oder den Dachrand nach außen. Er ist eine einfache, robuste Lösung und dient bei vielen Dächern als Notentwässerung.
Einsatz: Als Hauptentwässerung bei kleineren Dächern, als Notentwässerung bei größeren Dächern.
Rinnenablauf
Bei außenliegender Entwässerung wird das Wasser über Dachrinnen und Fallrohre abgeführt. Der Dachrandabschluss muss so ausgeführt sein, dass das Wasser sauber in die Rinne läuft.
Einsatz: Garagen, Carports, kleinere Anbauten.
Notentwässerung
Die Normen fordern bei innenliegender Entwässerung eine zusätzliche Notentwässerung. Sie springt ein, wenn die Hauptabläufe bei Starkregen die Wassermenge nicht bewältigen oder verstopft sind. Notentwässerungen leiten das Wasser in der Regel frei über die Fassade ab – nicht schön, aber sicher.
Wann und wie oft sollten Dachabläufe gewartet werden?
Die Flachdachrichtlinie empfiehlt eine Inspektion und Wartung mindestens zweimal jährlich:
- Im Frühjahr (März/April): Nach dem Winter Laub, Schmutz und eventuelle Frostschäden beseitigen.
- Im Herbst (Oktober/November): Vor der niederschlagsreichen Jahreszeit Laub entfernen und Funktion prüfen.
Zusätzlich nach besonderen Ereignissen:
- Nach starkem Sturm (abgerissene Äste, verschobene Abdeckungen)
- Nach Starkregen (Funktionsprüfung)
- Nach Bauarbeiten auf oder am Dach (Bauschutt in den Abläufen?)
Was gehört zur Wartung?
Eine professionelle Wartung umfasst mehr als „Laub wegfegen”:
- Laubfangkörbe reinigen und prüfen: Sind sie vorhanden, intakt und richtig eingesetzt? Ein fehlender Laubfangkorb lässt Blätter und Schmutz direkt in die Fallleitung – Verstopfung vorprogrammiert.
- Ablaufkörper prüfen: Ist der Anschluss an die Abdichtung noch intakt? Lösen sich Flanschringe? Gibt es Risse oder Korrosion?
- Umgebung des Ablaufs reinigen: Im Umkreis von etwa 50 cm um den Ablauf sollte die Fläche frei von Kies, Laub und Bewuchs sein, damit das Wasser ungehindert zulaufen kann.
- Durchfluss testen: Wasser einlaufen lassen und prüfen, ob es zügig abfließt. Stockt der Abfluss, liegt eine Teilverlegung vor.
- Notentwässerung prüfen: Auch die Notüberläufe müssen frei und funktionsfähig sein. Im Ernstfall retten sie Ihr Dach.
- Gesamte Dachfläche sichten: Die Wartung der Abläufe ist der ideale Anlass, den Gesamtzustand der Abdichtung zu prüfen. Blasen, Risse, lose Nähte – alles, was auffällt, kann rechtzeitig behoben werden.
Typische Probleme und ihre Ursachen
Verstopfter Gully
Die häufigste Ursache: Laub, Moos, Kies, Bauschmutz oder Vogelkot haben den Ablauf blockiert. Das Wasser staut sich, sucht sich alternative Wege – und findet sie durch die kleinste Schwachstelle in der Abdichtung. Bei Starkregenereignissen, wie sie in der Region Nürnberg/Fürth in den letzten Jahren zugenommen haben, kann ein verstopfter Gully innerhalb von Minuten zu einem centimeterhohen Wasserstand auf dem Dach führen.
Korrodierter Ablaufkörper
Bei älteren Dächern bestehen die Gullys aus verzinktem Stahl. Nach 20 bis 30 Jahren ist die Verzinkung oft durchkorrodiert. Wasser dringt nicht durch die Abdichtung ein, sondern direkt durch den maroden Gully-Körper in die Fallleitung und von dort in die Decke. Von oben sieht das Dach intakt aus – die Leckstelle ist der Gully selbst.
Mangelhafter Anschluss an die Abdichtung
Der Gully-Flansch muss sauber in die Abdichtung eingebunden sein. Bei Sanierungen wird die Abdichtung häufig erneuert, aber der alte Gully bleibt – inklusive seiner mangelhaften Einbindung. Bei einer Flachdach-Sanierung empfehle ich grundsätzlich, auch die Gullys zu erneuern. Die Materialkosten sind überschaubar, der Sicherheitsgewinn enorm.
Fehlende oder beschädigte Laubfangkörbe
Ohne Laubfangkorb gelangen Blätter, Ästchen und Schmutz direkt in die Fallleitung. Die Verstopfung sitzt dann nicht mehr oben, wo man sie einfach beseitigen kann, sondern irgendwo im Rohr. Eine professionelle Rohrreinigung wird nötig. Der Laubfangkorb kostet wenige Euro – sein Fehlen kann Hunderte kosten.
Falsche Einbauhöhe
Der Gully muss der tiefste Punkt der Dachfläche sein. Wenn bei einer Sanierung der Dachaufbau erhöht wurde (z. B. durch zusätzliche Dämmung), der Gully aber nicht angepasst wurde, liegt er plötzlich höher als die umgebende Fläche. Das Wasser kann nicht mehr zulaufen. Ein Aufstockelement löst dieses Problem.
Was tun bei akuter Verstopfung?
Wenn Sie feststellen, dass Wasser auf Ihrem Dach steht und der Ablauf blockiert ist:
- Laubfangkorb entfernen und reinigen. Oft reicht das bereits aus.
- Sichtbare Ablagerungen im Ablauf manuell entfernen. Handschuhe tragen, nicht mit Werkzeug in den Ablauf stoßen – Sie könnten die Abdichtung beschädigen.
- Mit Wasser spülen. Einen Gartenschlauch in den Ablauf halten und prüfen, ob der Durchfluss sich löst.
- Nicht erzwingen. Wenn die Verstopfung tiefer sitzt, brauchen Sie einen Fachmann mit Rohrreinigungstechnik. Eigenversuche mit Drähten oder Chemikalien richten mehr Schaden an als sie nutzen.
- Dokumentieren und prüfen lassen. Wenn ein Gully regelmäßig verstopft, stimmt entweder die Umgebung nicht (zu viel Bewuchs, fehlender Kiesstreifen) oder der Gully selbst ist zu klein oder falsch positioniert.
Wartungsvertrag: Sinnvoll oder überflüssig?
Für Hausverwaltungen und Eigentümer von Mehrfamilienhäusern ist ein Wartungsvertrag oft die wirtschaftlichste Lösung. Zweimal jährlich kommt der Fachmann, prüft die Abläufe, reinigt die Fläche und dokumentiert den Zustand. Kleine Schäden werden sofort behoben, bevor sie teuer werden.
Für private Hausbesitzer mit einem einzelnen Flachdach (Garage, Anbau) reicht oft eine jährliche Inspektion in Eigenregie – sofern das Dach sicher begehbar ist. Achten Sie auf die oben genannten Punkte und scheuen Sie sich nicht, bei Unsicherheiten einen Fachmann hinzuzuziehen.
In meinem Artikel zur Flachdach-Lebensdauer erkläre ich ausführlich, wie regelmäßige Wartung die Nutzungsdauer Ihres Dachs um Jahre verlängert.
Dachabläufe bei Balkonen und Terrassen
Was für das Flachdach gilt, gilt analog für Balkone und Terrassen. Auch hier müssen die Abläufe regelmäßig kontrolliert werden – oft sogar häufiger, weil durch Pflanzgefäße, Erde, Blätter und Nutzung mehr Schmutz anfällt. Bei einer fachgerechten Balkon- und Terrassenabdichtung wird die Entwässerung von vornherein so geplant, dass Wartung einfach möglich ist.
Besonders wichtig: Bei Terrassen mit aufgeständerten Plattenbelägen muss der Ablauf auch nach Verlegung des Belags zugänglich bleiben. Ein Revisionsbereich um den Gully herum ist Pflicht.
Fazit: Kleine Maßnahme, großer Schutz
Die Wartung der Dachabläufe ist die einfachste und günstigste Maßnahme, um Ihr Flachdach langfristig funktionsfähig zu halten. Zweimal im Jahr die Abläufe kontrollieren und reinigen – das dauert bei einem Einfamilienhaus eine halbe Stunde und verhindert Schäden, deren Beseitigung Tausende kosten kann.
Sie möchten Ihre Dachabläufe professionell prüfen lassen oder haben ein akutes Problem mit stehendem Wasser? Rufen Sie mich an unter 0157 72538492 – ich helfe Ihnen schnell und unkompliziert weiter.